Fachinformation für Kollegen in pädagogischen und therapeutischen Berufen

Therapeutisches Puppenspiel bezeichnet ein therapeutisches Angebot für Kinder, Jugendliche (und modifiziert auch für Erwachsene) mit Entwicklungsproblemen unterschiedlicher psychopathologischer Genese.
Das therapeutische Puppenspiel orientiert sich an der Theorie der analytischen Psychologie nach C.G. Jung und versteht sich als Angebot innerhalb der psychotherapeutischen Ansätze von Psychodrama, Kunsttherapie sowie Gestalttherapie. Es fokussiert die bei Kindern angewandte spieltherapeutische Intervention auf das Medium Puppenspiel.
Mögliche Inhalte sind die Arbeit an der Identifikation (Herstellen einer "inneren" Figur) sowie spielerische Interaktion als Ausdrucksmöglichkeit subjektiv erlebten Alltags durch Rollentausch, Konflikt-"Übung" usw. mit dem Ziel eines progressiven Verlaufs zu Stabilität und Individuation. Die Spiel-Kontakte mit dem Kind werden eng verknüpft mit begleitenden Elterngesprächen (bestenfalls natürlich auch hier durch Therapie bzw. Familientherapie), um die zunächst nicht immer nachvollziehbare Situation des Kindes anhand der gespielten Symbolik gemeinsam zu entschlüsseln und um den Eltern Handlungsalternativen und Unterstützung im Umgang mit ihrem Kind zu ermöglichen.
Die berufsbegleitende Weiterbildung zum/zur therapeutischen Puppenspieler/in kommt ursprünglich aus der Schweiz. Seit 1996 wird der zweijährige Ausbildungskurs erstmals auch in Frankfurt im Institut für Gestaltung und Kommunikation angeboten. Er richtet sich vorrangig an Interessierte aus (sozial-)pädagogischen, heilpädagogischen und (psycho-)thera- peutischen Berufen.
Wichtige Ausbildungsinhalte sind Spiel und Herstellung von Handspielpuppen ("innere" Figuren), theoretische Fundierung in Entwicklungspsychologie, Bedeutung von Symbolik, Arbeit mit Märchen, projektiven Testverfahren usw. sowie einem großen Anteil an Selbsterfahrung (z.B. eigene Entwicklungsschritte beleuchten, Übertragungs- und Gegenübertragungssituationen in Fallstudien).
Eine umfassende Einzelsupervision gewährleistet intensive Selbstreflektion und einen qualifizierten Abschluss in dieser kreativen Erweiterung des Kindertherapie-Angebots.

„Es ist das Privileg der Schöpfer einer Puppe, mit ihrem Geschöpf zu tun, was immer sie möchten.
Die Puppe ist jedweder Willkür ausgesetzt - ob sie nun geliebt und gewiegt wird oder gebeutelt und geköpft.
Alle Impulse richten sich nicht gegen das Selbst oder gegen
Menschen, sondern gegen Gleiches an einem Stellvertreter - die Puppe fängt alle unkontrollierten und überschüssigen Affekte auf. Sie erlaubt Verbindung und Abgrenzung gleichzeitig - was nirgendwo sonst
möglich ist.“

vgl. Petzold, H.: Puppen und Puppenspiel in der integrativen Therapie mit Kindern. In: Petzold, H. & Ramin, G.: Schulen der Kinderpsychotherapie, Paderborn, 1991, S. 427 ff